Tipps und Tricks

Welche Karten drücken beim Grandspiel?

Allgemein

Das Drücken der zwei Karten des Skats bereitet vielen Skatspielern Probleme. Wir möchten nachfolgend einige Tipps geben, welche Karten beim Grandspiel günstigerweise gedrückt werden sollten. Dieses Dokument erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Fehlerfreiheit. Anregungen, Korrekturen und Kommentare sind deshalb immer willkommen!

Wann sollte ich Hand spielen?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Wenn das Spiel unverlierbar ist. Betrachte Dein Blatt und berechne, wie viele Stiche Du abgeben kannst und wie viele Augen die Gegenspieler mit diesen Stichen einbringen können. Inwieweit Du auch Spiele aus der Hand spielen möchtest, die theoretisch aber eher unwahrscheinlich verlierbar sind, hängt von Deiner persönlichen Risikobereitschaft ab. Aber bedenke: Sind die zusätzlichen 24 Spielpunkte, die das Handspiel bringt, es Wert, das Spiel zu verlieren?

Was muss ich bei einem Handspiel noch beachten?

Das hat nicht viel mit dem eigentlichen Thema zu tun, sollte aber dennoch hier beachtet werden:

  • Verlorene Handspiele zählen seit dem 1. Januar 1999 doppelt!
  • Handspiele müssen seit dem 1. Januar 1999 angesagt werden! Es genügt nicht, den Skat unbesehen liegen zu lassen und das Spiel anzusagen!

Inwieweit ist meine Position entscheidend für das Grandspiel?

Ist bei einem Nullspiel mal die eine, mal die andere Position vorteilhaft, so ist bei einem Grandspiel in den meisten Fällen Vorhand die entscheidende Position. Oftmals entscheided diese Position nicht nur über Gewinn oder Verlust des Spiels sondern bereits darüber, ob der Grand überhaupt gespielt werden kann.

Beispiel:
Kreuz Bube Pik Bube Kreuz Ass Kreuz 10 Kreuz König
Kreuz Dame Kreuz 9 Kreuz 8 Kreuz 7 Herz Ass
In Vorhand ist dieses Spiel ein lupenreiner Grand Ouvert. In Mittel- oder Hinterhand bestenfalls ein Kreuz offen, der sogar verlierbar ist.

In wenigen Fällen kann auch Hinterhand eine vorteilhafte Position für den Alleinspieler sein, vor allem dann, wenn er bemüht ist, seine Gegenspieler Schneider zu spielen.

Beispiel:
Kreuz Bube Pik Bube Herz Bube Karo Bube Kreuz Ass
Kreuz 7 Pik Ass Pik 7 Herz Ass Herz 7
Du kannst in Hinterhand entscheiden, ob Du den Stich übernimmst oder nicht, je nachdem, welche Karten gespielt wurden.

Blanke Karten drücken

Blank ist eine Karte, wenn es die einzige Karte dieser Farbe im Blatt ist.

Sollte ich blanke Asse drücken?

In der Regel solltest Du blanke Asse niemals drücken. Sitzt Du aber beispielsweise in Hinterhand und Vorhand reizt bis 66 und Du hast zu Deinem Grand neben drei Buben das blanke Pik Ass, so kann es sinnvoll sein, dieses zu drücken. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat nämlich Vorhand alle restlichen Pikkarten und Mittelhand den fehlenden Buben. Vorhand wird dann wahrscheinlich mit der Pik 10 eröffnen um Mittelhand zu ermöglichen, einen guten Stich zu stechen (und mit dem Pik Ass wäre es sogar ein sehr guter).

Wann sollte ich blanke 10er drücken?

Man erwartet hier wahrscheinlich ein klares "Immer". So einfach ist die Sache aber nicht.

Zum Einen sind blanke 10er natürlich eine ideale Karte zum Drücken und in 95% aller Fälle wird und sollte man dies auch tun. Denn eine blanke 10 im Skat bedeutet sichere 10 Augen für den Alleinspieler und die Möglichkeit, das Ass in dieser Farbe zu stechen.

ABER: In wenigen Fällen kann es von Vorteil sein, eine blanke 10 zu behalten.

Beispiel (1):
Du hast eine lange Farbe und die blanke 10 ist die einzige Schwachstelle in Deinem Blatt. Wenn Du nun die neun sicheren Karten Deines Blattes "herunterspielst", müssen sich die beiden Gegenspieler für eine Karte entscheiden, mit der sie den letzten Stich vielleicht übernehmen können. Mit ein wenig Glück muss sich einer der Gegenspieler zwischen zwei (oder sogar mehr) Karten entscheiden. Gehört das Ass in der Farbe, in der Du die blanke 10 hast, dazu, so besteht die Möglichkeit, dass er dieses Ass abwirft, da er die 10 kaum bei Dir vermuten wird. Der Nachteil bei dieser Strategie ist, dass die Gegenspieler mit diesem einen Stich aus dem Schneider kommen können.

Beispiel (2):
Du hast einen ziemlich wackeligen Grand mit nur einem Buben (z.B. weil Du ein Farbspiel gereizt und dann einen hohen Buben gefunden hast), sitzt in Mittel- oder Hinterhand und ein Spieler (vorzugsweise der in Vorhand) hat diese Farbe gereizt. Oftmals passiert dann das Folgende: Die Farbe, in der Du die blanke 10 hast, wird aufgespielt und zwar unter dem Ass. Deine 10 hast Du nun "daheim". Kommt der Spieler, der das Ass in dieser Farbe hat, später im Spiel wieder zum Ausspiel, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ass anspielen, da er eine weitere Karte in dieser Farbe bei Dir vermutet. Du kannst dieses Ass stechen und wirst Dein Spiel wahrscheinlich gewinnen. Oftmals ist es sogar sinnvoll, sich aus genau diesem Grund eine 10 blank zu drücken. Es besteht dann sogar die Möglichkeit, dass der andere Gegenspieler auf das Ass seines Partners schmiert, da auch er noch eine weitere Karte dieser Farbe bei Dir vermuten wird.

Was mache ich mit blanken Bildern oder Luschen?

Sollten natürlich - wenn möglich - immer gedrückt werden, wobei blanke Bilder immer blanken Luschen vorzuziehen sind (wegen der Augen).

Zwei Karten einer Farbe drücken

Hier ist zu unterscheiden, ob beide Karten gedrückt werden können oder ob eine von beiden ausgewählt werden muss.

Wann soll ich Asse blankdrücken?

Wenn die Möglichkeit besteht, ein Ass blankzudrücken, sollte dies in der Regel auch gemacht werden. Gefahr droht dann, wenn Du in Hinterhand bist und Vorhand die Farbe gereizt hat (denn: wird die Farbe ausgespielt kann Mittelhand vielleicht stechen).

Muss aber die Wahl getroffen werden, ob ein Ass blankgedrückt oder eine blanke Karte gedrückt werden soll, so sollte in der Regel die blanke Karte gedrückt werden. Vorsicht ist aber dann geboten, wenn die Farbe, in der Du das besetzte Ass hast gereizt wurde. Dort könnte auf die zweite Karte geschmiert werden.

Was ist mit besetzten 10ern?

Hier kommt es vor allem auf die zweite Karte an und ob eine oder beide Karten gedrückt werden können.

Können beide Karten gedrückt werden, weil sonst keine anderen Karten in Frage kommen, so sollte dies getan werden.

Ist die Beikarte ein König, so sollten in der Regel (wenn nicht beide Karten gedrückt werden können) beide Karten behalten werden. Du kannst in dieser Farbe nur einen Stich abgeben (von Trumpfstichen einmal abgesehen), auch wenn Du die 10 eventuell abgeben musst. Diese Kombination ist eigentlich immer den nachfolgenden Kombinationen vorzuziehen.

Ist die Beikarte eine Dame oder Lusche, so sollte die 10 wenn möglich gedrückt werden. ABER: Wenn Du beispielsweise nur zwei Buben hast und darauf angewiesen bist, möglichst ohne einzustechen an den Stich zu kommen, kann es von Vorteil sein, diese beiden Karten zu behalten und auf das Aufspiel des Asses in dieser Farbe zu hoffen.

Hast Du Dich entschieden, die 10 zu drücken ist es übrigens ein Vorteil, die Beikarte auf der Hand zu behalten, wenn noch andere (z.B. blanke) Karten gedrückt werden können. Erstens kann es in dieser Farbe - wenn nicht geschmiert wird - maximal 15 Augen für die Gegenspieler geben und zweitens besteht die Möglichkeit, dass die Gegenspieler diese Farbe schneiden, also nicht das Ass spielen um an Deine (gedrückte) 10 zu gelangen.

Und die anderen Kombinationsmöglichkeiten?

Hier heißt die Devise, möglichst viele Augen zu drücken.

Beispiel:
Du hast in einer Farbe 10 und 7, eine blanke 8 in einer anderen. Du solltst die 10 und die 8 drücken. Auf die 7 können maximal 15 Augen fallen, auf die 8 theoretisch 21.

Drücken bei drei Karten in einer Farbe

Welchen Unterschied gibt es hier zum Drücken von zwei Karten?

Na klar: Du musst hier mindestens eine Karte der Farbe behalten!

Und wann soll ich welche Karten drücken?

Hier ist es ganz entscheidend, wieviele Stiche Du in dieser Farbe abgeben kannst. So ist z.B. Dame, König, 10 in einer Farbe nicht schlecht, denn Du kannst nur einen Stich abgeben. 10, 8 und 7 hingegen können drei Stiche für die Gegenspieler bringen (davon wenigstens ein Stich mit Schmierung). Ebenso ist 10, Dame und 9 besser als 10, Dame und 8 (zwei mögliche Stiche gegenüber drei möglichen Stichen).

Bei drei Karten ist es aber wesentlich unwahrscheinlicher, dass die Gegenspieler an die 10 herankommen als bei zwei Karten. Aber auch beide 10er zu drücken kann von Vorteil sein (20 sichere Augen für den Alleinspieler).

Drücken bei vier und mehr Karten in einer Farbe

Wann sollte ich hohe Karten einer langen Farbe drücken?

Hast Du eine lange Farbe mit Ass, die von oben her geschlossen - also ohne Lücken - ist, so solltest Du nur dann eine hohe Karte dieser Farbe drücken, wenn Du wenige Buben hast und befürchten musst, das Ass oder die 10 abgestochen zu bekommen. Wenn Du aber viele Buben hast und diese Gefahr nicht besteht, solltest Du keine Karte dieser Farbe drücken.

Beispiel:
Du hast in einer langen Farbe Ass, 10, König und 7. Wenn Du nun beispielsweise das Ass drückst und die restlichen drei Karten dieser Farbe sind auf einer Hand, so kannst Du möglicherweise in dieser Farbe einen Stich abgeben.

Tipp:
Möchtest Du eine hohe Karte in dieser Farbe drücken, solltest Du die 10 und nicht das Ass drücken. Du gibst ansonsten den Gegenspielern mit dem Ausspiel der 10 einen Tipp über die Stärke Deines Blattes.

Und was ist mit langen Farben ohne 10?

Hier gibt es eigentlich nur folgenden

Tipp:
Wenn Du eine Karte einer langen Farbe ohne 10 drücken willst, wähle nicht den König dieser Farbe aus, wenn Du nicht unbedingt auf die vier Augen angewiesen bist!

Beispiel:
Du hast Ass, König, 8 und 7 in einer Farbe. Liegt die 10 nun blank bei einem der Gegenspieler, kannst Du immernoch einen Stich abgeben, wenn Du den König gedrückt hast.

Was drücke ich bei langen Farben mit 10 aber ohne Ass?

Auch hier kommt es wesentlich auf die anderen Karten der Farbe und die restlichen Karten an. Eine ideale Beikarte zur 10 ist beispielsweise der König. Er garantiert in dieser Farbe wenisgtens einen Stich. Hast Du viele Buben oder eine starke Beikarte, solltest Du die 10 in diesem Fall behalten. Je mehr Stiche Du aber in dieser Farbe abgeben kannst (z.B. 10, 9, 8 und 7), desto stärker müssen Deine Trümpfe und die restliche Beikarte sein.

Und wenn ich weder Ass noch 10 in der langen Farbe habe?

Auch hier gilt: Je mehr Stiche ich in dieser Farbe abgeben kann, desto gefährlicher kann mir diese Farbe werden. Also: König, Dame, 8 und 7 sind nicht so gut wie König, Dame, 9 und 7.

Das Drücken von Buben

Früher stand hier einmal das Wort "NIEMALS". Inzwischen bin ich aber eines Besseren belehrt worden. Es gibt tatsächlich eine Konstellation, in der es absolut nötig ist, einen Buben zu drücken.

Hast Du in Mittelhand einen Buben (außer dem Kreuz Buben natürlich) und in zwei Farben Ass und Lusche, Ass und zwei Luschen in der dritten und Ass, 10 und zwei Luschen in der vierten Farbe, so solltest Du neben einer vollen Karte aus der Farbe, in der Du Ass und 10 hast, auch noch den Buben drücken. Läuft jede Farbe nämlich genau einmal und erhältst Du nur die minimale Augenzahl von den Gegnern (je drei Augen in den langen Farben), so ergibt das genau 60 Augen, wenn Du mit dem Buben keinen Stich machst. Und da genau das ziemlich wahrscheinlich ist, solltest Du diesen drücken um relativ sicher 62 Augen zu erhalten.

Als Beispiel für ein solches Blatt sei die Skataufgabe vom Juli 1999 genannt.